Beitrag: SWR Landesschau

Tierheime in Rheinland-Pfalz klären auf Weniger Tiere unterm Tannenbaum Hundewelpen oder Goldhamster zu Weihnachten? Immer wieder ein gern genommenes Geschenk – allerdings ohne Umtauschmöglichkeit. Die Tierheime im Land setzen daher auf Prävention und Alternativen. Beitrag SWR/Landesschau von Manuela HübnerAuf den Wunschzetteln von Kindern stehen sie oft ganz oben: Die Katze, das Meerschweinchen oder der Golden Retriever. Sitzen sie an Heiligabend tatsächlich unterm Weihnachtsbaum, leuchten die Augen der Kleinen mit der Lichterkette um die Wette. Doch schnell erlischt die erste Euphorie, denn ein Haustier ist kein Kuscheltier – und macht jede Menge Arbeit.

Arbeit, die nach den Weihnachtsfeiertagen dann vor allem die Tierschutzvereine und die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tierheime hatten. Regelmäßig wurden dort Weihnachtsgeschenke auf vier Pfoten abgegeben.

Häschen zu Ostern, Kätzchen zu Weihnachten

„Als ich hier vor neun Jahren angefangen habe, war es ganz schlimm“, erinnert sich Charles Grubusch vom Mainzer Tierheim. „Häschen zu Ostern, Kätzchen zu Weihnachten – das war gang und gäbe.“ Von Hunden über Katzen bis hin zu Kleintieren sei damals alles vermittelt worden.

Ein Welpe mit weißem Fell liegt hinter Gittern in einem Käfig und blickt in die Kamera

Erst unterm Weihnachtsbaum, dann im Tierheim

Doch in diesem Winter sei davon bisher nichts zu spüren. „Das hat in den letzten Jahren schon nachgelassen“, sagt Grubusch. Jedoch predige er gemeinsam mit seinen Kollegen auch immer wieder: „Keine Tiere unterm Weihnachtsbaum!“

Einen rückläufigen Trend sehen auch die Mitarbeiter des Ludwigshafener Tierheims. Es habe sich beruhigt mit den Weihnachtsanstürmen, sagt man hier. Zwar sei die Nachfrage nach Katzen in den letzten Wochen sehr groß gewesen, aber nicht um sie zu verschenken. Vielmehr nutzten die Menschen die Festtage, um mehr Zeit für die Eingewöhnung der Tiere zu haben.

„Das Problem besteht noch“

Sind Tiere unterm Weihnachtsbaum also gar kein Problem mehr? Beim Deutschen Tierschutzbund bezweifelt man das. „Durch die Aufklärungsarbeit, die wir leisten, ist das Thema inzwischen zwar mehr in den Köpfen der Menschen“, glaubt Sprecherin Lea Schmitz. „Doch das Problem besteht trotzdem noch.“ Oftmals komme die Schwemme erst im Sommer: „Zunächst sind die Tiere, meist ja als Welpen angeschafft, noch sehr niedlich“, erklärt sie. „Die unüberlegten Geschenke zu Weihnachten machen sich in großen Teilen dann erst im Laufe des nächsten Jahres, zur Ferienzeit, bemerkbar.“ Außerdem gebe es immer noch unzählige Fälle von Tieren, die statt im Tierheim abgegeben einfach ausgesetzt würden.

Auch eine deutschlandweite Umfrage des Tierschutzbundes aus dem Jahr 2010 zeigt, dass dem Abgeben von Tieren im Heim oft ein Geschenke-Kauf vorausging. Vor allem Kleintiere sind davon betroffen. 38 Prozent der Befragten Hamster-Besitzer gaben an, unüberlegt gehandelt zu haben. Bei Hunden waren es 31 Prozent, bei Katzen lediglich 12 Prozent.

Pate werden statt Hamster kaufen

In den Tierheimen ist man trotz der positiven Entwicklung daher ebenfalls vorsichtig. „Wir schauen in der Vorweihnachtszeit weiterhin genau hin“, versichert Charles Grubusch von Mainzer Tierheim. Nicht jedem Adoptionswunsch müsse man schließlich nachkommen. In Ludwigshafen werden in der letzten Woche für Weihnachten erst gar keine Vermittlungen durchgeführt.

Für alle Eltern, die an Weihnachten nicht darauf verzichten wollen, die Augen ihrer Kinder zum leuchten zu bringen, hat der Tierschutzverein Koblenz eine gute Lösung gefunden. Er setzt in Sachen tierische Weihnachtsfreuden auf Patenschaften statt auf Vermittlungen. Für einen frei wählbaren Betrag ab fünf Euro bekommt man eine Urkunde über eine Tierpatenschaft, die problemlos unter jeden Tannenbaum passt.

Kategorie: Presseartikel

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